Sächsisches Gemeinschafts-Diakonissenhaus ZION e.V.

Sächsisches Gemeinschafts-Diakonissenhaus ZION e.V.
Schneeberger Straße 98 • 08280 Aue
Tel. 03771 274-0 • Fax 03771 274-100 • info@zion.de

Geschichte & Aufgabe

Zur Gründung kam es am 20. November 1919 in Rathen/Sächsische Schweiz durch die Väter der Gemeinschaftsbewegung. Deren Brüderrat druckte im Oktober 1918 - nach jahrelangen Vorüberlegungen, die durch den 1. Weltkrieg unterbrochen wurden - einen Aufruf im Gemeinschaftsblatt, der zur Gründung „Zions“ führte.

Darin hieß es:

„Wir haben uns nach ernstem Gebet und reiflicher Überlegung entschlossen, ein eigenes Diakonissenhaus ins Leben zu rufen. Unser Volk braucht in seinen schweren Nöten mütterliche Helferinnen.“

Zunächst reagierten sieben Frauen auf diesen Aufruf. Danach sind pro Jahr 25 bis 30 Diakonissen eingetreten. Rasch wurde das Haus zu klein. Der Landesverband suchte ein größeres Haus und wurde in Aue/Erzgebirge fündig. So kam es 1924 zum Kauf des ehemaligen Sanatoriums Dr. Pilling und noch im selben Jahr erfolgte der Umzug. Von Anfang an wurden im Mutterhaus Aue nicht nur Diakonissen aufgenommen und ausgebildet, sondern auch eine Freizeitarbeit begonnen. 120 bis 150 Gäste pro Tag waren möglich.

Was bewog Frauen, Diakonisse zu werden? Sie wollten mit ihren Gaben Gott dienen

Und zwar hauptsächlich:

  • in der Seelsorge an Frauen, Mädchen und Kindern im Rahmen der Gemeinschaftsarbeit und später auch in Kirchgemeinden
  • als Krankenschwester in Krankenhäusern und Behindertenheimen
  • in der Gemeindepflege und in Privatpflegen
  • in der Hauswirtschaft und bei der Gästebetreuung


Aller Einsatz war stets auf das körperliche Wohl als auch auf das ewige Heil der anvertrauten Menschen ausgerichtet. Die Motivation und die Kraft für den Dienst empfingen die Diakonissen immer wieder neu aus Gottes Wort, Abendmahl und Gebet. Persönliches Schriftstudium und Gebet sowie das gemeinsame Hören, Austauschen, Abendmahl feiern und Beten bedingten sich gegenseitig.

Die Einordnung in ein gemeinsames Leben mit gemeinsamem Auftrag, gemeinsamer Verantwortung und gemeinsamer Kasse als auch der Verzicht auf eine eigene Familie sind typisch für das Leben einer Diakonisse.

Zur Vereinfachung des Lebensstiles und zur Betonung der Gleichwertigkeit tragen alle die gleiche Kleidung, die bisher mehrfach verändert wurde.

Nicht alle Diakonissen sahen darin von Anfang an eine Lebensaufgabe. Manche blieben nach der Ausbildung nur eine geraume Zeit, andere betrachteten es als Lebensaufgabe.

Leider mussten die Diakonissen die Gästearbeit in Aue von 1939 bis 1972 aufgeben. Das Haupthaus wurde 60 Jahre lang fremdgenutzt:

Bis 1945 war es Luftwaffenlazarett und danach zog eine auf der Flucht von Tilsit/ Ostpreußen befindliche Kinderklinik ein, die erst 1996 das Haus wieder räumte.

Die Diakonissen waren geduldet im eigenen Haus und mussten sich sehr einschränken. Mittelpunkt und geistliches Zentrum konnte Aue nicht mehr sein. Viele schwesternschaftliche Aktivitäten mussten dezentralisiert durchgeführt werden. Nicht alle, die in den Ruhestand gingen, konnten im Mutterhaus untergebracht werden.

Dazu kam große wirtschaftliche Not nach dem Krieg und starke Einschränkungen während der Zeit des Sozialismus: Diese betrafen den Dienst, das Gewinnen von Mitarbeitern und die Finanzen.

1972 wurde die Gäste-Arbeit im kleinen Rahmen wieder aufgenommen. Eigene Angebote und Belegung durch Gruppen waren durch den Bau des Hauses Emmaus wieder möglich. Mit dem Bau des Hauses Bethanien 1987 konnte diese Arbeit erweitert werden.

Ab 1996 konnte das Haupthaus zurückgewonnen werden. Mit Hilfe von staatlichen Zuschüssen wurde es gründlich saniert und ein Altenpflegeheim integriert, in dem die alt gewordenen Diakonissen, aber auch andere Heimbewohner/-innen bis zum Lebensende gepflegt werden.

In den letzten Jahren nahm die Zahl der berufstätigen Diakonissen ab. Dienste mussten eingeschränkt und vermehrt Mitarbeiter/-innen angestellt werden, die die Diakonissen versorgen und den Auftrag weiterführen.

Die Möglichkeit, Diakonisse zu werden und sich mit den vorhandenen Talenten und Gaben Gott und den Menschen zur Verfügung zu stellen, gibt es in Aue nach wie vor. Als Aufgaben dienen alle Bereiche, in denen Menschen unmittelbar oder mittelbar Hilfe an Leib und Seele brauchen.

Diakonisse Eva-Maria Klöber, Oberin i.R.